Experimentelle Immuntherapie: Neue Hoffnung für Kinder mit Hirntumor

Eine ganz neue Immuntherapie zeigt sich sehr effektiv bei der Behandlung von fünf verschiedenen Arten von Hirntumoren bei Kindern, dies zeigen erste Tests an Mäusen. Die Immuntherapie, die bereits bei anderen Krebsarten in der klininischen Studienphase bei Erwachsenen ist sieht nicht nur vielversprechend aus sondern könnte die Behandlung von Hirntumoren bei Kindern auch deutlich verbessern. Bisher sind die Therapiemöglichkeiten bei dieser Krebsart leider noch sehr begrenzt.

Erste Ergebnisse wurden im Fachmagazin „Science Translational Medicine“ in der Studie „Disrupting the CD47-SIRPα anti-phagocytic axis by a humanized anti-CD47 antibody is an efficacious treatment for malignant pediatric brain tumors“ veröffentlicht.

Der in der Immuntherapie verwendete Antikörper greift dabei nur Tumorzellen an und lässt andere Zellen des Gehirns unberührt. Dies ist für die Effektivität und Sicherheit der Therapie von enormer Bedeutung und könnte die Immuntherapie sogar sicherer machen als andere Immuntherapien.

Tumor versteckt sich vor dem Immunsystem

Der Antikörper verbindet sich im Körper mit dem Protein CD47, das sich auf der Oberfläche von Tumorzellen befindet. Mit dem Präsentation von CD47 schützt sich der Tumor normalerweise vor einer Immunantwort durch die körpereigenen T-Zellen die veränderte oder defekte Zellen zerstören. Die >Tumorzelle produziert eine sehr große Anzahl von CD47 um das Immunsystem zu täuschen. Bindet jedoch der Antikörper der Immuntherapie an CD47 der Tumorzelle wird dieser Schutz verhindert und die Tumorzelle wieder für das Immunsystem und die T-Zellen sichtbar. Diese können den Tumor nun wieder attackieren.

Erste vielversprechende Experimente mit Mäusen, durchgeführt von Wissenschaftlern an der Stanford University, konnten die Effektivität dieser Immuntherapie nachweisen. Hirntumore schrumpften erheblich.

Sehr effektiv bei allen Arten von Hirntumoren

Quelle: Stanford University Medical Center

Die Wissenschaftler haben die Effektivität bei Mäusen an bisher fünf verschiedenen Arten von Hirntumoren getestet, dazu zählen Medulloblastom, atypical teratoid rhabdoid tumor, primitiver neuroektodermaler Tumor (PNET), Glioblastom und diffus-intrinsisches Ponsgliom. Die im Labor gezüchteten menschlichen Tumorzellen wurden den Mäusen direkt in das Hirn injiziert. Eine Gruppe der Mäuse wurde dann mit der neuen Immuntherapie behandelt, die andere nicht. In Aufnahmen des Gehirns zeigten sich dann deutliche Ergebnisse, während bei den unbehandelten Mäusen sehr große Areale mit Tumorzellen sichtbar waren, zeigten sich bei den mit der Immuntherapie behandelten Mäusen nur kleine tumoröse Bereiche.

„Der spannendste Aspekt unserer Studie ist, egal mit welcher Art von Hirntumor wir die Effektivität getestet haben, dass die Behandlung sehr gut bei den Tierversuchen angeschlagen hat“, sagt Dr. Samuel Chesier einer der Autoren der Studie.

Dabei griffen die Antikörper nur die Tumorzellen an. Körpereigene Hirnzellen oder Zellen aus denen Neuronen enstehen sollen blieben unangetastet. Deshalb gehen die Wissenschaftler bisher davon aus, dass diese Antikörper weniger gefährlich als andere Immuntherapien sein könnten.

„Für viele dieser Tumoren gibt es bisher kaum Behandlungsoptionen, eine Diagnose ist damit gleichbedeutend mit einem Todesurteil“, so Dr. Chesier. Zwar sind Chemotherapien oder Strahlentherapien möglich, diese sind jedoch sehr toxisch für das Hirngewebe und können zu schweren Langzeitschäden führen.

Bisher ist die neue Antikörper-Immuntherapie aber noch nicht ganz ausgereift. Zwar reduziert sich die Größe der Tumore deutlich, sie werden aber nicht komplett entfernt. Dies könnte daran liegen, dass Immunzellen Schwierigkeiten haben große Tumore zu zerstören.

Erste klinische Studien mit Kindern die an einem Hirntumor leiden sollen in den nächsten ein bis zwei Jahren starten.

Mehr Informationen (englisch)

 

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